Sex and the City: der Film - Länger, frecher, besser denn je
Nur eine Handvoll Insider wissen wirklich, was Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte in den letzten paar Jahren getan haben. Für viele ein Anlass, die Fantasie schweifen zu lassen, über Klatsch und Tratsch, Knutschereien und Schuhe nachzudenken. Sechs Jahre lang wurde die Serie um die die vier heißgeliebten Charaktere von Sex and the City unter anderem auf HBO ausgestrahlt. Seither werden die Stil-Ikonen sehnsüchtig von Millionen treuer Fans erwartet. Und seit wenigen Tagen ist es endlich soweit: Sex and the City: der Film läuft in den deutschen Kinos! Michael Berenbaum, einer der ersten Editoren der Serie, bekannt geworden durch Spielfilme wie Before Night Falls und Barton Fink, freute sich sehr, als er den Anruf mit der Bitte erhielt, er solle den Film schneiden. "Die erste Durchsicht des Films mit den Darstellern, Produzenten und Autoren war für jeden von uns ein einziges Déjà vu," sagt Berenbaum. Das Team ist bereits zu Serien-Zeiten sehr eng miteinander verwachsen, fast wie eine Familie. Das rief im Team große Erwartungen an den Film hervor und das war genau das, was sich die Filmemacher von Sex and the City: der Film erhofft hatten. "Der Film selbst ist ein neues eigenständiges Projekt, unabhängig von der Serie. Aber trotzdem muss darauf geachtet werden, dass der Film mit der Serie einhergeht," erklärt Berenbaum. Es stellt sich also die Frage: "Wie schaffe ich es, den Film auf die große Leinwand zu bringen, und vermittle den Zuschauern dabei genau das Gefühl und die Stimmung, die sie von der Serie von zu Hause her kennen?' "Wir versuchten einen möglichst kineastischen Look zu erzeugen. Starke Farben, gewagte Kostüme, eine tolle Story." Die Darsteller und die Crew waren gewöhnt, alle Seiten der Geschichte gleichermaßen stark zu berücksichtigen und zu erzählen: die vielen unterschiedlichen Handlungen, die Fashion-Trends, selbst die hippen Songs. Eine der großen Herausforderungen des Films bestand also darin, wie man das Serienformat, das sich auf eine halbe Stunde beschränkte, nun in ein umfassendes Spiefilmformat bringt. "Wir waren unser 30 Minuten Limit gewöhnt. Das war immer unsere Vorgabe," sagt Berenbaum. "Für den Film präsentierte man uns ein geniales Skript, doch wir hatten trotzdem starke Bedenken, dass es zu lang sein könnte." Eine weitere sehr knifflige Aufgabe für Berenbaum war es, sicherzustellen, dass jeder einzelne Charakter in all seinen eigenen Facetten komplett in Erscheinung tritt. "Wir können ja nicht einfach eine der Darstellerinnen 'auslassen'," sagt er. "In einer üblichen romantischen Komödie hat man vielleicht einen Haupt-Charakter und einen bedeutsameren Nebendarsteller. Bei Sex and the City: der Film haben wir es jedoch gleich mit vier Hauptdarstellern zu tun, die alle gleichstark in Aktion treten müssen. Jeder Darsteller muss seine Zeit, seinen Anteil, auf der Leinwand bekommen." Im Schnitt gab es leider auch etliche grandiose Szenen, von denen Berenbaum sich trennen musste. "Das Rohmaterial war wirklich Weltklasse," sagt er. "Ich bin mir sicher, dass die rausgeschnittenen Szenen in welcher Form auch immer noch verwendet werden. Vielleicht als Bonusmaterial für die DVD. Man muss sie fast zeigen, damit der Film noch mehr gewinnt." In den drei Monate andauernden Aufnahmen in New York Stadt schnitten Berenbaum und First Assistant Editor Carrie Puchkoff vor Ort die Dailies. Danach zog das Editing Team für die restliche Postproduktion nach Los Angeles um. Das sozusagen auf zwei Küsten verteilte Set-up bestand aus drei Avid Media Composer Systemen, die an ein Avid Unity MediaNetwork Shared Storage Set-up mit voll gespiegeltem Speicher angebunden wurden. Puchkoff und ihr Kollege, Assistant Editor Stuart Sperling, setzten zudem Media Composer Software auf Macintosh Laptops ein. "Wir begannen mit den Abnahmen noch vor Mittag und waren abends bereits damit fertig. Ohne Laptops hätten wir zwei Tage dafür gebraucht." Puchkoff nutzte die Software-only Version von Media Composer zum ersten Mal. Sie war gespannt darauf, das ScriptSync Editing Tool ausprobieren zu können. ScriptSync vereinfacht Skript- oder Transkript-basierte Produktionen, indem es Texte und Dialoge automatisch mit dem Skript selbst synchronisiert. "Der Import funktionierte perfekt," beschreibt sie, als sie es erstmals ausprobierte. Zusätzlich zur automatischen Indexierung des gesamten Skripts nutzte sie das ScriptSync Feature auch, um die unglaublichen Mengen an Voiceovers, die gerade bei diesem Film sehr wichtig sind, zu verwalten. "Die Voiceovers der Darstellerin Sarah Jessica Parker wurden alle in einer wirklich langen Aufnahme aufgenommen und dann von uns in Einem importiert. ScriptSync fand uns den ersten Locator und half dann, automatisch alle Zeilen und Takes zu separieren. Das war ausschlaggebend für eine großartige Organisation des Materials." Der Media Composer bietet einen effizienten Editing Workflow, mit dem nicht nur Zeit und somit Geld in Krisenzeiten gespart werden kann, sondern auch in anderen Bereichen. Wenn zum Beispiel die hauptsächlich genutzten Editingsysteme für andere Projekte im Einsatz waren, griffen wir auf die Laptop-Lösung von Media Composer zurück, um Schnittlisten und OMF Exporte zu erstellen. "Wir begannen mit den Abnahmen noch vor Mittag und waren abends bereits damit fertig. Ohne Laptops hätten wir zwei Tage dafür gebraucht," sagt sie. Alles Alte ist wieder neu Berenbaum fand im Editing Spaß daran, zu experimentieren, vor allem bei der Filmmusik. Die Filmmusik wurde im Vergleich zur Serie zu einem völlig neuen Element beim Film. "Die Serie hatte immer diese eine wirklich tolle Musik mit einem sehr hohen Wiedererkennungswert. Für den Film hatten wir nun einen eigenen Komponisten, Aaron Zigman, der die komplette Filmmusik schrieb," sagt Berenbaum. Wie bei einem Spielfilm üblich, erstellte Berenbaum eine Übergangs-Filmmusik und ließ diese als Platzhalter während des Editingprozesses einsetzen. Allerdings hielt der Editingprozess einige Überraschungen für ihn bereit. Berenbaum: "In dramatischeren Szenen, in denen wir normalerweise die für Sex and the City typische Filmmusik spielen würden, probierte ich für den Film Songs aus, die typisch für Romantikkomödien sind. Doch der Film ließ dies einfach nicht zu. Es kam mir vor, als wäre der Film einfach zu außergewöhnlich für Musik, die normalerweise in solch Szenen eingesetzt wird. Es war also mitunter sehr schwierig, die richtige Musik zu finden." Auch den Kinobesucher erwarten einige Überraschungen. Die Geschichte der Charaktere ist zwar größtenteils bekannt, dennoch sind ihre Schicksale eher in der Schwebe. "Jeder versucht zwar zu erraten, was in diesem Film passieren wird," sagt Berenbaum, allerdings scheint es, als ob dies gar nicht so ausschlaggebend ist. Wenn der Film ansatzweise so ist wie seine Darsteller, ist es nur zu wahrscheinlich, dass die Kinobesucher nur noch eines möchten: mehr, mehr und mehr. 
- Michael Berenbaum, Editor, Sex and the City: Der Film
Weniger Arbeit mithilfe von Laptops
- Carrie Puchkoff, First Assistant Editor, Sex and the City: Der Film
